zurück
3/10
weiter
Der Abt Henri, eine kuriose Gestalt
Nach dem Tod von Ausculphe wählten die Mönche Fouche aus Tonnay-Charente zu ihrem Abt. Doch, entweder um Saint-Jean d’Angély besser kontrollieren zu können oder eine Spaltung zu vermeiden, bestimmte Hugo der Große durch seine Mittelsmänner, den Bischof von Angoulême und den Grafen des Poitou, Henri zum Nachfolger des verstorbenen Abtes.
Henri war der Neffe der Herzogin Audéarde, Gräfin des Poitou, und Vetter Heinrich I., Beauclerc, König von England. Als Bischof von Soisson der Simonie verdächtigt, wurde er Prior von Savigny und Oberprior von Cluny. Er vertrat den Abt häufig, gewann sein Vertrauen und wurde 1104 selber Abt des Klosters von Saint-Jean d’Angély.
Seine Amtszeit war katastrophal. Er entmutigte viele Mönche, ihre Klöster mit Saint-Jean zu verbinden. Er erkannte die Wahl Raymond Chesnels zum Bischof von Saintes nicht an und bezichtigte ihn der Simonie; wurde seinerseits beschuldigt, den päpstlichen Vertreter gekauft zu haben, um die Wahl ungültig zu machen. Noch 1117, dem Todesjahr des Bischofs von Saintes, nahm er dessen Platz ein, wurde aber vom Kapitel verjagt. Durch Intrige gelang es ihm dennoch, sich zum Legat in England ernennen zu lassen. Er ließ sich dort zum Abt von Peterborough wählen. Gemahnt, nur eine Abtei zu leiten, teilte er seinen Aufenthalt (6 Monate da, 6 Monate dort) fünf Jahre lang genau zwischen den beiden Orten auf und strich die Gelder beider Abteien ein.
1130, als der Schisma zwischen dem Papst Innozenz II und dem Gegenpapst Anaclet ausbrach, ergriffen der Bischof von Angoulême und der Herzog Willhelm für Henri Partei. Die Mönche von Saint-Jean d’Angély, die auf der Seite des nach Cluny geflüchteten Papstes standen, waren empört und vertrieben Henri. Gereizt fiel der Herzog Wilhelm am Johannistag 1131 in der Abtei von Saint-Jean d’Angély ein und raubte die Gaben vor dem Altar. 1134 traf der Herzog Bernard de Clairvaux in Parthenay. Bei diesem Treffen verleugnete der Herzog Anaclet. Ein Jahr darauf bestätigte er alle Rechte und Privilegien der Abtei.
zurück
3/10
weiter